WordPress Datenbank sichern — Ohne Plugin in 5 Minuten

WordPress-Datenbank sichern und wiederherstellen

Deine WordPress-Seite ist nur so sicher wie dein letztes Backup. Und nein, du brauchst dafür kein Plugin, das dir das Admin-Panel zumüllt und womöglich noch ein Abo will. Ich zeige dir drei Methoden, mit denen du deine WordPress-Datenbank manuell sicherst — schnell, sauber und ohne Abhängigkeiten.

Warum die Datenbank das Herzstück deiner WordPress-Seite ist

Deine Themes und Plugins kannst du jederzeit neu herunterladen. Deine Uploads liegen im Dateisystem und lassen sich per FTP sichern. Aber deine Beiträge, Seiten, Kommentare, Einstellungen, Benutzerkonten und WooCommerce-Bestellungen — das alles steckt in der MySQL-Datenbank. Wenn die weg ist, ist dein Content weg.

Die wichtigsten WordPress-Tabellen

Tabelle Inhalt Kritisch?
wp_posts Alle Beiträge, Seiten, Custom Post Types, Revisionen Sehr hoch
wp_postmeta Metadaten zu Posts (Custom Fields, SEO-Daten, etc.) Sehr hoch
wp_options Alle Einstellungen (Site-URL, Theme, Plugin-Optionen) Sehr hoch
wp_users Benutzerkonten Hoch
wp_usermeta Benutzer-Metadaten (Rollen, Einstellungen) Hoch
wp_comments Kommentare Mittel
wp_commentmeta Kommentar-Metadaten Mittel
wp_terms Kategorien, Tags, Taxonomien Hoch
wp_term_relationships Zuordnung Posts ↔ Kategorien/Tags Hoch
wp_term_taxonomy Taxonomie-Definitionen Hoch

Merke: wp_posts, wp_postmeta und wp_options sind die drei kritischsten Tabellen. Ohne diese drei ist deine Seite nicht wiederherstellbar.

Methode 1: SSH + mysqldump (Die schnellste)

Wenn du SSH-Zugang zu deinem Server hast, ist mysqldump der schnellste und zuverlässigste Weg.

Schritt 1: Zugangsdaten auslesen

Deine Datenbank-Zugangsdaten stehen in der wp-config.php:

cat ~/www/wp-config.php | grep "DB_"

Ausgabe (Beispiel):

define( 'DB_NAME', 'wordpress_db' );
define( 'DB_USER', 'wp_user' );
define( 'DB_PASSWORD', 'geheimes_passwort' );
define( 'DB_HOST', 'localhost' );

Schritt 2: Backup erstellen

mysqldump -u wp_user -p'geheimes_passwort' \
  --single-transaction \
  --routines \
  --triggers \
  wordpress_db > wp_backup_$(date +%Y%m%d_%H%M%S).sql

Die wichtigsten Flags:

  • --single-transaction — Konsistenter Snapshot ohne Locking (bei InnoDB)
  • --routines — Stored Procedures mitsichern
  • --triggers — Trigger mitsichern

Schritt 3: Komprimieren und herunterladen

gzip wp_backup_20260224_143000.sql
# Ergebnis: wp_backup_20260224_143000.sql.gz (oft 80-90% kleiner)

Datei per SCP auf deinen lokalen Rechner ziehen:

scp user@server:~/wp_backup_20260224_143000.sql.gz ./backups/

Zeitaufwand: Etwa 2 Minuten für eine durchschnittliche WordPress-DB.

Methode 2: phpMyAdmin Export (Die einfachste)

Kein SSH? Kein Problem. phpMyAdmin ist auf den meisten Hosting-Paketen vorinstalliert.

Schritt 1: phpMyAdmin öffnen

Login über dein Hosting-Panel (Plesk, cPanel, etc.) oder direkt über die URL deines Hosters.

Schritt 2: Datenbank auswählen

Klicke links auf deine WordPress-Datenbank. Du siehst alle Tabellen aufgelistet.

Schritt 3: Export starten

  1. Reiter „Exportieren“ klicken
  2. Methode: „Schnell“ reicht für die meisten Fälle
  3. Format: SQL
  4. Bei „Angepasst“ kannst du zusätzlich auswählen:
    • Komprimierung: gzip
    • „DROP TABLE hinzufügen“ — praktisch für den Restore
    • „CREATE DATABASE“ — wenn du die DB komplett neu aufsetzen willst
  5. „OK“ klicken — Download startet

Achtung: Bei Datenbanken über 50 MB kann der Export abbrechen. Dann brauchst du Methode 3.

Methode 3: MySQLDumper (Die zuverlässigste)

MySQLDumper ist das Tool der Wahl, wenn du auf Shared Hosting sitzt, keinen SSH-Zugang hast und deine Datenbank zu groß für phpMyAdmin ist.

Schritt 1: MySQLDumper installieren

  1. MySQLDumper von der offiziellen Seite herunterladen
  2. Per FTP in ein Unterverzeichnis hochladen, z.B. /mysqldumper/
  3. Im Browser aufrufen: https://deine-seite.de/mysqldumper/
  4. Setup-Wizard durchlaufen — Datenbank-Zugangsdaten eingeben

Schritt 2: Backup erstellen

  1. Im MySQLDumper-Interface auf „Backup“ klicken
  2. Datenbank auswählen
  3. „Backup starten“ klicken
  4. MySQLDumper zeigt den Fortschritt an — Tabelle für Tabelle
  5. Am Ende bekommst du eine .sql.gz-Datei

Schritt 3: Automatische Backups einrichten (optional)

MySQLDumper kann Backups per Cronjob automatisieren. Dafür im Hosting-Panel einen Cronjob einrichten, der die Backup-URL aufruft:

# Cronjob-Eintrag (täglich um 3:00 Uhr)
0 3 * * * wget -q -O /dev/null "https://deine-seite.de/mysqldumper/cron.php?key=DEIN_CRON_KEY"

Vorteil: Auch bei einer 500-MB-Datenbank auf Shared Hosting mit 30-Sekunden-Timeout funktioniert das Backup zuverlässig durch das Chunking.

Datenbank wiederherstellen (Restore)

Per SSH (mysqldump-Backup)

# Unkomprimiert:
mysql -u wp_user -p'geheimes_passwort' wordpress_db < wp_backup_20260224.sql

# Komprimiert (gzip):
gunzip < wp_backup_20260224.sql.gz | mysql -u wp_user -p'geheimes_passwort' wordpress_db

Per phpMyAdmin

  1. Datenbank auswählen
  2. Reiter „Importieren"
  3. SQL-Datei auswählen (max. Upload-Limit beachten!)
  4. „OK" klicken

Per MySQLDumper

  1. Im Interface auf „Restore" klicken
  2. Backup-Datei auswählen (oder vorher per FTP hochladen)
  3. „Restore starten" — MySQLDumper importiert chunked, genau wie beim Export

Nach dem Restore: Checkliste

  • Site-URL prüfen: In wp_options stehen siteurl und home. Wenn du auf eine neue Domain umgezogen bist, musst du diese anpassen.
  • Permalinks neu speichern: Unter Einstellungen → Permalinks einmal „Änderungen speichern" klicken.
  • Caches leeren: Alle Caching-Plugins deaktivieren und Cache löschen.
  • Login testen: Prüfe, ob du dich einloggen kannst. Die Benutzer kommen aus der gesicherten DB.
  • Plugins prüfen: Manche Plugins speichern Pfade in der DB. Nach einem Serverumzug müssen diese ggf. aktualisiert werden.

Tipps für eine solide Backup-Strategie

  • Regelmäßigkeit: Mindestens wöchentlich, bei aktiven Seiten täglich
  • 3-2-1-Regel: 3 Kopien, 2 verschiedene Medien, 1 offsite (z.B. lokaler Download)
  • Nicht nur die DB: Sichere auch /wp-content/uploads/ — dort liegen deine Bilder und Medien
  • Backups testen: Ein Backup, das du nie getestet hast, ist kein Backup. Stelle es mindestens einmal auf einer Test-Umgebung wieder her.
  • wp-config.php sichern: Die Datei enthält deine Salts und Keys. Ohne sie funktioniert der Login nach einem Restore nicht wie erwartet.

Fünf Minuten für ein Backup können dir Wochen an Arbeit ersparen. Mach es einfach.